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Wie helfen Kameras, wenn jemand stürzt oder das Werk evakuiert wird?

DBR77 Team · Veröffentlicht am

Kameras, die ohnehin in den Hallen hängen, können Alarm auslösen, wenn jemand stürzt und nicht wieder aufsteht. Nach einem Evakuierungsalarm zeigen sie, wie viele Menschen noch im Gebäude sind. In DBR77 IIoT zählt Vision AI die Personen je Bereich, ohne Namen zu erfassen, und erstellt eine Heatmap ihrer Bewegungen. Stürzt jemand und bleibt liegen, alarmiert das System den Schichtleiter und die Ersthelfer. Nach einem Erdbeben zeigt es, wie viele Menschen im Moment des Bebens im Werk waren und wie viele schon einen Ausgang erreicht haben. Für alle, die noch drinnen sind, hält es die letzten bekannten Positionen fest. Personen-Notsignal-Geräte, den Evakuierungsplan und die Vollzähligkeitskontrolle am Sammelplatz ersetzt es nicht.

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie über Kameras in der Produktion. Die anderen Teile zeigen, wie eine Kamera Menschen warnt, die einem Roboter zu nahe kommen und wie sie eine Zeitaufnahme macht, ohne jemanden zu identifizieren.

Wie helfen Kameras, wenn jemand stürzt oder das Werk evakuiert wird?

Warum Stürze und Evakuierungen ein Thema für die Arbeitssicherheit sind

Stürze gehören zu den häufigsten Ursachen schwerer Arbeitsunfälle. In der EU gingen 2023 20,0 % der nicht tödlichen und 15,4 % der tödlichen Arbeitsunfälle auf Ausrutschen, Stolpern oder Stürzen zurück. Häufiger war nur der Verlust der Kontrolle über Maschinen, Werkzeuge oder Transport- und Fördermittel. In den USA gab es 2024 insgesamt 5.070 tödliche Arbeitsunfälle, 844 davon durch Stürze, Ausrutschen und Stolpern.

Wichtig ist auch, was nach dem Sturz passiert. Wer allein im Lager, in der Nachtschicht oder hinter einer Linie arbeitet, kann lange am Boden liegen, bevor jemand vorbeikommt. Die DGUV Regel 112-139 zu Personen-Notsignal-Anlagen sagt dazu: Können Hilfsmaßnahmen nicht innerhalb von 15 Minuten nach dem Alarm beginnen, ist die Effektivität der Rettungskette nicht gewährleistet.

Bei einer Evakuierung stellt sich eine andere Frage: Wer ist noch drinnen? Wo eine Vorschrift der US-Arbeitsschutzbehörde OSHA einen Notfallplan verlangt, muss dieser festlegen, wie nach der Evakuierung geprüft wird, wo alle Beschäftigten sind. In der Praxis heißt das: eine Liste und Durchzählen am Sammelplatz. Schwierig wird es, wenn Schichten, Besucher und Fremdfirmen durcheinanderlaufen.

Wie helfen Kameras, wenn jemand stürzt oder das Werk evakuiert wird? — DBR77 IIoTWie helfen Kameras, wenn jemand stürzt oder das Werk evakuiert wird? — DBR77 IIoT

Was die Kamera in den Hallen tut

Die Beispieldarstellung aus unserer Demo zeigt ein Werk mit 12 Kameras in vier Bereichen: Motorenmontage, Modulreparatur, Test und Prüfung sowie Lager. Das System arbeitet in drei Modi:

  1. Bewegungs-Heatmap. Das System zählt die Personen je Bereich und zeigt, wo sie unterwegs sind und wo sie sich länger aufhalten. Es verfolgt die Bewegungen, ohne Namen zu erfassen.
  2. Person am Boden. Stürzt eine Person und bewegt sich nicht mehr, löst das System Alarm aus. In der Demo geht der Alarm weniger als eine Sekunde nach dem Sturz an den Schichtleiter und die Ersthelfer. Es öffnet das Livebild dieser Kamera und protokolliert das Ereignis mit Bild und Position. Von jedem Alarm wird nur ein Bild gespeichert, kein Video.
  3. Erdbeben. Wird ein Erdbebenalarm ausgelöst, zeigt das System, wie viele Personen in diesem Moment im Werk waren, wie viele einen Ausgang erreicht haben und wie viele noch im Gebäude sind. Für jede dieser Personen hält es die letzte bekannte Position, die Bewegungsrichtung und die Uhrzeit fest. Außerdem stellt es ein Paket für die Rettungskräfte zusammen: Grundriss, letzte bekannte Positionen und die Heatmap der letzten 10 Minuten.

Animation: Heatmap in vier Bereichen, Alarm „Person am Boden“, dann Zählung nach Erdbebenalarm und letzte bekannte Positionen

Beispieldarstellung auf Basis der Präsentation zu DBR77 Vision AI: Personen werden je Bereich ohne Namen gezählt, ein Sturz löst Alarm aus, und nach einem Erdbebenalarm bleiben die letzten bekannten Positionen auf dem Bildschirm.

Im Beispiel arbeiten 46 Personen in den vier Bereichen. In Halle B stürzt jemand und bleibt liegen. Das System schlägt Alarm, und ein Zähler zeigt, wie lange sich die Person schon nicht bewegt. Dann kommt ein Erdbebenalarm, die Menschen gehen zu den Ausgängen, und auf dem Bildschirm bleiben die letzten bekannten Positionen derer, die noch drinnen sind.

Was die Kamera tut Was sie nicht ersetzt
Zählt Personen je Bereich und zeigt, wo sie sich bewegen Den Evakuierungsplan und die Vollzähligkeitskontrolle am Sammelplatz
Löst Alarm aus, wenn eine Person stürzt und sich nicht mehr bewegt Personen-Notsignal-Geräte für Alleinarbeit in gefährlichen Bereichen
Hält nach einem Erdbeben die letzten bekannten Positionen fest Erste Hilfe und die Arbeit der Rettungskräfte
Stellt ein Paket für die Rettungskräfte zusammen Die Kontrolle durch einen Menschen vor Ort

Sehen Sie, was Ihre Kameras abdecken würden

Schicken Sie uns einige Fotos und ein oder zwei kurze Videos aus Ihren Hallen, aufgenommen gemäß Ihrer Fotorichtlinie. Wir zeigen Ihnen, was das System erkennt und wo es eine Person übersehen würde.

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Was die Kamera nicht sieht

Eine Kamera erfasst nur, was sie sieht. Wer hinter einem Regal, unter einer Maschine, in einem Bereich ohne Kamera oder bei schlechtem Licht liegt, löst keinen Alarm aus. In Toiletten und Umkleideräumen haben Kameras nichts zu suchen. Das polnische Arbeitsgesetzbuch nimmt diese Räume bis auf wenige Ausnahmen von der Überwachung aus.

Auch die kamerabasierte Sturzerkennung hat bekannte Schwächen. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 stellte fest, dass den Datensätzen, mit denen solche Systeme trainiert werden, Daten aus realen Situationen fehlen. Manche Verfahren tun sich schwer, wenn die Person teilweise verdeckt ist, andere reagieren sehr empfindlich auf wechselndes Licht. Es gibt auch Fehlalarme, etwa wenn sich jemand auf den Boden legt, um unter einer Maschine zu arbeiten. Deshalb prüft ein Mensch jeden Alarm, und mit dem Livebild der Kamera geht das schnell.

Die Angabe „unter einer Sekunde“ aus der Demo ist die Zeit vom Sturz bis zum Alarm. Wie lange es dauert, bis jemand bei der Person ist, hängt von Ihrer Alarmkette ab.

Ein Kamerasystem ist zudem keine Personen-Notsignal-Anlage (PNA). In Deutschland besteht eine PNA aus Notsignalgeräten, die am Körper getragen werden, und einer Empfangszentrale. Sie löst auch automatisch Alarm aus, wenn sich der Träger nicht mehr bewegt, und muss die VDE V 0825 erfüllen. Behalten Sie bei gefährlicher Alleinarbeit die Personen-Notsignal-Geräte und die vereinbarten Kontrollanrufe bei. In den Bereichen, die sie erfassen, sind Kameras eine zusätzliche Absicherung.

Nach einem Erdbeben: was die letzten bekannten Positionen wert sind

Die Leitlinien des japanischen Kabinettsbüros zum Business Continuity Management nennen als Hauptziel des betrieblichen Katastrophenschutzes, zu prüfen, ob Beschäftigte und andere Personen in Sicherheit sind, und Betroffene zu retten und zu unterstützen. Die Zahl der Personen je Bereich und ihre letzten bekannten Positionen helfen dem Notfallteam zu entscheiden, wo es zuerst sucht.

Dieselben Leitlinien nennen redundante Stromquellen und Stromleitungen für wichtige IT-Systeme unerlässlich. Das gilt auch für Kameras. Fällt bei den Kameras, den Netzwerk-Switches oder dem Rechner, der die Bilder auswertet, der Strom aus, bleiben die Positionen auf dem Stand des letzten verarbeiteten Bildes stehen. Deshalb sprechen Bildschirm und Paket von letzten bekannten Positionen. Auch Staub oder Rauch können die Sicht versperren.

Planen Sie eine Notstromversorgung für Kameras, Switches und Edge-Einheit ein, und testen Sie, was der Bildschirm anzeigt, wenn eine Kamera ausfällt. Das Paket für die Rettungskräfte unterstützt die Vollzähligkeitskontrolle am Sammelplatz, ersetzt sie aber nicht.

Was Sie klären sollten, bevor die erste Kamera hängt

Kameras, die Menschen zu ihrem Schutz beobachten, berühren Datenschutz und Arbeitsrecht. Das sind die wichtigsten Punkte. Gehen Sie sie mit Ihrer Arbeitssicherheit, Ihrem Datenschutzbeauftragten und Ihrem Betriebsrat oder der Arbeitnehmervertretung durch:

  • Zweck je Kamera. Der Europäische Datenschutzausschuss schreibt, dass für jede eingesetzte Überwachungskamera der Zweck festgelegt sein muss. Halten Sie für jede Kamera fest, ob sie dem Sturzalarm, der Zählung bei einer Evakuierung oder beidem dient.
  • Personenbezogene Daten. Heatmap und Zählwerte enthalten keine Namen. Das System verfolgt Menschen aber über mehrere Kameras hinweg, und Bilder, Bewegungsspuren und Alarmbilder beziehen sich auf identifizierbare Personen. Das sind also personenbezogene Daten. Ein Sturzereignis kann zudem unter die Gesundheitsdaten fallen.
  • Polen. Art. 22² des polnischen Arbeitsgesetzbuchs erlaubt Videoüberwachung, wenn sie unter anderem für die Sicherheit der Beschäftigten notwendig ist. Ausgenommen sind Sanitärräume, Umkleideräume, Kantinen und Raucherräume. Die Beschäftigten müssen mindestens zwei Wochen vor Beginn der Überwachung informiert werden. Zweck, Umfang und Art legt der Arbeitgeber in der Arbeitsordnung oder in einer Bekanntmachung fest, und überwachte Bereiche müssen mit Schildern gekennzeichnet sein. Aufnahmen dürfen nur für den Zweck verwendet werden, für den sie erhoben wurden, und höchstens drei Monate aufbewahrt werden.
  • Alarmkette. Legen Sie fest, wer den Alarm erhält, wer ihn prüft und wer zu der Person geht, und üben Sie das bei der nächsten Evakuierungsübung. Unser Artikel darüber, warum Maschinenalarme in der Fertigung ins Leere laufen, zeigt, wie Alarme ihre Wirkung verlieren, wenn niemand für sie zuständig ist.
  • KI-Regeln. Ob eine bestimmte Lösung unter die Hochrisiko-Anwendungen des EU AI Act fällt, hängt davon ab, wie sie konfiguriert ist und genutzt wird. Die Punkte zum AI Act behandelt unser Artikel zur Zeitaufnahme.

So testen Sie es in einer Halle

Der Test läuft ab wie bei jeder Vision-AI-Prüfung: eine Demo und ein Blick auf Ihre Hallen, ein Test mit einigen Fotos und kurzen Videos unter NDA, ein Proof of Concept in einer Halle und ein Rollout nur dann, wenn die Ergebnisse Sie überzeugen.

  • Kamera. Geeignet ist jede handelsübliche IP-Kamera, auch die Kameras, die Sie schon haben. Jedes Bild wird in etwa 25 ms auf einem Rechner in Ihrem Werk ausgewertet.
  • Definitionen. Ein Ingenieur beschreibt in Worten, worauf zu achten ist, zum Beispiel auf eine Person, die am Boden liegt, und das Team kann im laufenden Betrieb neue Prüfungen ergänzen. Sie müssen keine Trainingsdaten sammeln und kein Trainingsprojekt aufsetzen.
  • Reaktion. Sie legen fest, was passiert: zählen, protokollieren, warnen oder eine Person benachrichtigen. Programmieren müssen Sie dafür nicht. Das System stoppt keine Maschinen; die Entscheidung trifft ein Mensch.
  • Kosten. Sie setzen sich aus der Edge-Einheit, dem KI-Chip, den Kameras und einer monatlichen Softwarelizenz pro Einheit zusammen. Eine Einheit kann 1 bis 40 Kameras parallel auswerten.

Wie sich die Verarbeitung vor Ort vom Senden der Bilder in die Cloud unterscheidet, erklärt unser Artikel zu Edge vs. Cloud in der Fertigung.

Wie sich das in DBR77 IIoT einordnet

Vision AI ist die Kameraebene von DBR77 IIoT. Es gelten dieselben Regeln wie im übrigen System:

  • Unsere Geräte lesen nur. Sie senden nie Befehle an Ihre Maschinen und greifen nicht in die Steuerung ein.
  • Die Bilder werden vor Ort ausgewertet, Videos werden nicht aufgezeichnet.
  • Vision AI läuft auf DBR77 Vector, unserer eigenen Industrie-KI, die sich auf Ihren Servern betreiben lässt. Ohne Ihre schriftliche Zustimmung wird mit Ihren Daten kein Modell trainiert. DBR77 ist nach ISO/IEC 27001:2022 zertifiziert.
  • Die Ereignisse aus Vision AI landen in IRIS, neben den Maschinendaten.

Häufige Fragen

Ersetzt das System ein Personen-Notsignal-Gerät?

Nein. Ein am Körper getragenes Gerät funktioniert überall, wo die Person gerade ist. Kameras sehen nur die Bereiche, die sie erfassen. Behalten Sie bei gefährlicher Alleinarbeit die Notsignalgeräte und die vereinbarten Kontrollanrufe bei.

Wie schnell kommt der Alarm?

In der Demo vergeht vom Sturz bis zum Alarm weniger als eine Sekunde. Wie lange es dauert, bis jemand bei der Person ist, hängt von Ihrer Alarmkette ab. Jeden Alarm prüft ein Mensch.

Weiß das System, wer noch im Gebäude ist?

Es weiß, wie viele Personen in jedem Bereich sind und wo sie zuletzt gesehen wurden, aber nicht, wer sie sind. Die Namen stehen auf Ihrer eigenen Evakuierungsliste.

Was passiert bei einem Stromausfall?

Die Positionen bleiben auf dem Stand des letzten verarbeiteten Bildes stehen. Mit einer Notstromversorgung für Kameras, Switches und Edge-Einheit bleibt die Anzeige länger aktuell.

Ist die Heatmap personenbezogen?

Heatmap und Zählwerte enthalten keine Namen, aber Bilder, Bewegungsspuren und Alarmbilder beziehen sich auf identifizierbare Personen. Das System verarbeitet also personenbezogene Daten. Legen Sie Zweck, Zugriff und Speicherdauer mit Ihrem Datenschutzbeauftragten fest.

Fazit

Wählen Sie eine Halle, in der oft jemand allein arbeitet oder in der sich bei einer Evakuierung schwer feststellen ließe, wie viele noch drinnen sind, zum Beispiel das Lager oder einen Bereich mit Nachtschicht. Schreiben Sie vor dem Test auf, welche Bereiche die Kameras abdecken müssen, wer einen Sturzalarm bekommen soll und wer im Notfall die Personenzahl erhält. Prüfen Sie dann, wo Menschen aus dem Blickfeld geraten würden und wie die Kameras mit Strom versorgt werden. Damit haben Sie die Grundlage für einen ersten Test mit Fotos und kurzen Videos aus der Halle.

Bringen Sie eine Halle mit in die Demo

Zeigen Sie uns die Halle, die Kamerapositionen und die Stellen, an denen Menschen allein arbeiten. Wir zeigen Ihnen Heatmap, Sturzalarm und Zählung im Notfall an einem ähnlichen Beispiel und sagen Ihnen, was dafür in Ihrem Werk nötig wäre.

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Quellen